Da ich mit meiner Behinderung geboren wurde, und meine Eltern direkt sehr offen darüber mit mir gesprochen haben, kann ich mich gar nicht daran erinnern, da ich da noch sehr klein war. Bzw. habe ich ja selbst gemerkt, dass sich die Kinder in meinem Alter anders bewegen konnten. (Rollstuhlfahrer)
Wie organisiert ihr euren Alltag?
Ganz normal, würde ich behaupten. Jeder hat seinen Weg, wie er Defizite kompensiert. Letztendlich könnte man sagen, dass wir für vieles etwas mehr Zeit brauchen – wie zum Beispiel anziehen und körperliche Pflege. Aber diese Zeit kann man einplanen. (Rollstuhlfahrer)
Was motiviert euch weiterzuleben?
Alles, was auch einen Gesunden motiviert: Freunde, Arbeit, Sport, Familie, Aufgaben des alltäglichen Lebens. Ich, für meinen Teil, würde sogar meinen, dass Menschen mit Behinderung die „kleinen Dinge des Lebens“ mehr zu schätzen wissen und zufrieden mit dem sind, was sie haben. (Rollstuhlfahrer)
Können behinderte Menschen Sex haben? (z. B. Gehbehinderte)
Ja können sie. Da ich einen Nervenerkrankung habe und alles spüre, ist das kein Problem. Bei Querschnittgelähmten ist es etwas „komplizierter“, bzw. müssen sie halt eine Viagra nehmen. Damit ist es auch möglich.
Warst du schon mal verzweifelt?
Verzweifelt nicht direkt. Es gibt Phasen, da ist man mal nicht so gut drauf. Bei mir war es nach meiner Wirbelsäulenoperation. Ich konnte eine ganze Zeit nach der OP nur für ein paar Stunden am Tag sitzen und durfte kein Sport machen. Das hat sich mein Muskelschwund sehr bemerkbar gemacht. Aber sobald ich wieder Sport machen durfte und Tag für …
Wie hast du dich gefühlt, als du deine Behinderung bekommen hast und wie sind die Menschen in deinem Umfeld damit umgegangen?
Da ich mit meiner Krankheit geboren bin, kann ich das nicht beantworten. Sie war halt schon immer da. Meine Familie behandelt mich, soweit es geht, wie einen normalen Menschen und unterstützen mich in den Bereichen, wo es notwendig ist. (Rollstuhlfahrer)
Wie gehst du mit Vorurteilen um?
Ich bin da sehr humorvoll und mache dann gern ein Scherz darüber. Ist das Vorurteil zu „dumm“, dann wird es auch mal etwas sarkastisch. Im Anschluss kläre ich die Menschen auf. (Rollstuhlfahrer)
Fühlst du dich wohl mit deiner Behinderung? Bist du glücklich?
Ja, ich fühle mich wohl mit meiner Behinderung. Allerdings weiß ich ja auch nicht, wie ich mich ohne Behinderung fühlen würde. Ich sehe die Dinge im Leben, die ich noch kann, und weiß, dass es viele Menschen gibt, die noch weniger können bzw. die allgemein im Leben leiden (Hunger, Krieg, Verfolgung). Daher versteife ich mich mit meiner Denkweise nicht auf …
Wenn Sterbehilfe voll legal wäre, würde Sie diese Option in Erwägung ziehen oder mit der Behinderung weiterleben?
Für mich wäre die Sterbehilfe keine Option, da ich mein Leben für sehr lebenswert erachte. Dennoch muss ich sagen, dass sich da im gesetzlichen Rahmen etwas tun muss. Es gibt stark fortschreitende Krankheiten, bei denen die Betroffenen sehr leiden. Wenn diese Personen lange nicht mehr zufrieden sind aufgrund ihres körperlichen Leidens, dann sollten sie nicht mental noch auf die Folter …
Welche Sachen verändern sich während der Behinderung?
Das kommt sehr auf die Art und Weise der Behinderung an. Ist sie gleichbleibend, also in einem gesundheitlichen Zustand, der sich nicht weiter verschlimmert, dann hat man seinen Weg und Technik wie man durch den Alltag kommt. Ist sie allerdings fortschreitend, dann muss man immer nach neuen Wegen suchen, wie zum Beispiel ein Transfer möglich ist. Bzw. ist man dann …
